Blutegeltherapie

Blutegeltherapie

Die Blutegeltherapie ist eine traditionelle,anerkannte Therapie bei einer Reihe von Humanerkrankungen. So wird die Blutegeltherapie bei der Behandlung von Arthrosen, Durchblutungsstörungen, Arthritis, Entzündungen und Verletzungen erfolgreich angewandt.

Auch bei Tieren findet diese Therapie immer mehr Anwendung.

Geschichte und Lebensraum

Die Behandlung mit dem medizinischen Blutegel (Hirudo medicinalis) zähltzu den ältesten Heilmethoden. Blutegel gehören zur Familie der blutsaugenden Ringelwürmer und sind mit den Regenwürmern, vor denen sich kaum jemand ekelt, verwandt. In der freien Natur sind Blutegel in kalkarmen, sauberen Teichen, Seen, Tümpeln und langsam fließenden Gewässern zu finden. Der Egel ist dunkelgrün oder schwarz. An jedem Ende befindet sich ein Saugnapf. Der vordere umgibt die Mundöffnung, welche 3 Kiefer mit 80 Kalkzähnchen umgibt. Der hintere Saugfuss dient lediglich zum Festhalten. Lebensraum der Blutegel ist hauptsächlich im Wasser, nur zur Fortpflanzung suchen sie flache Ufergewässer auf. Im Jungstadium ernähren sie sich vom Blut der Kaltblüter wie Frösche und Fische, für die schnellere Geschlechtsreife bevorzugen sie jedoch das Blut der Warmblüter. Sind die ausgewachsenen Tiere hungrig, so halten sie sich an der Wasseroberfläche auf, um ihrer möglichen Beute aufzulauern.

Die medizinisch genutzten Egel werden entsprechend der Leitlinie für Qualität und Sicherheit gezüchtet und nicht aus natürlichen Gewässern gefischt.

Hinweise zum Blutegel:
können mit nur einer Blutmahlzeit 1-2 Jahre auskommen
können durch das Saugen ihr Körpervolumen auf das 5-fache vergrössern
besitzen 240 mikroskopisch kleine Kalkzähnchen
reinigen ihre Bißstelle enzymatisch
besitzen keimfreie Speicheldrüsen
können ein Alter von bis zu 25 Jahren erreichen

Wirkung des Blutegels

Medizinische Blutegel verfügen in Ihrem Speichel über eine Reihe von medizinisch wirksamen Substanzen, die während des Saugvorganges in die Bisswunde abgegeben werden.

Der Blutegel ist somit eine Art biologische Apotheke mit Wirkstoffen, die auch in Arzneimitteln der Schulmedizin zum Einsatz kommen. Mit modernen Analysemethoden konnten in den letzten Jahrzehnten viele Wirkmechanismen der Speichelinhaltsstoffe des medizinischen Blutegels aufgeklärt werden. Bekanntester Wirkstoff: das Hirudin, abgeleitet von „Hirudo“= Egel. Hirudin bewirkt zusammen mit Calin eine Hemmung der Blutgerinnung, um das Blut während des Saugvorgangs fließfähig zu halten. Beide sind verantwortlich für die bis zu 24 Stunden andauernde Nachblutung und Reinigung der Wunde.

Die Wirkung des Blutegels ist gleich doppelt: die ausleitende Wirkung des sanften Aderlasses führt einerseits zu einem Ausschwemmen von Entzündungs- und Giftstoffen. Andererseits wirkt jeder einzelne Egel wie eine Art lebendige Spritze auf den Körper.

Die Wissenschaft geht heute von 30 bis 100 verschiedenen Substanzen im Blutegelspeichel aus.

Vor diesem Hintergrund wurden Blutegel als Fertigarzneimittel eingestuft und unterliegen den gleichen Anforderungen an Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit, die an alle zulassungspflichtigen Arzneimittel gestellt werden.

Die Wirkstoffe des Blutegels wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, gerinnungshemmend und fibrin-bzw. thrombenlösend, regen den Lymphfluß und die Blutbildung an und verbessern die Abwehrkräfte des Körpers.

Die Hyaluronidase macht das Bindegewebe durchgängig und bahnt damit den Weg für die Ausbreitung der weiteren heilenden Substanzen im Gewebe. Möglicherweise fällt der Hyaluronidase auch eine antibiotische Wirkung zu, da auch die Schleimhüllen von Bakterien zersetzt werden können. Zu den sich weit um die Bißstelle herum verteilenden Wirkstoffen zählen u. a. Egline, Bdelline, Apyrase, Destabilase, Pyavit und Kollagenase. Sie spielen unterschiedliche Rollen bei der entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wirkung des Blutegels. Eine weitere histaminähnliche Substanz wirkt gefäßerweiternd und durchblutungsvermehrend.

Anwendungsgebiete des Blutegels

Chronische Erkrankungen können in Folge der stark verbesserten Stoffwechselsituation durch die Blutegeltherapie häufig positiv beeinflusst werden und es entstehen neue Chancen auf Linderung.

Die Anwendung in der Tiermedizin ist schon recht vielseitig. Bei Hunden finden Blutegel mit ihrem besonderen Speichelcocktail bei folgenden Indikationen Anwendung:
Arthritis/Arthrose (chronische Gelenkserkrankung mit Knorpelschädigung)
Abszesse
Ekzeme
Blutegeltherapie beim Hund Hämatome (Blutergüsse)
Prellungen
Lumbago
Muskelfaserriss
Kreuzbandriss
Blutohr (Othämatom)
Wundheilungsstörungen
Myogelosen (Muskelverhärtungen)
Mastitis (Gesäugeentzündungen)
Narbenproblematik (auch post OP)
akute Diskopathie (Bandscheibenvorfall)
Sehnen- und Sehnenscheidentzündung
Patellaluxation (Verlagerung der Kniescheibe)
Venenerkrankungen (Thrombose, Thrombophlebitis)
Spondylose (Verkalkung der Wirbelsäule) und sonstige Wirbelsäulenerkrankungen wie Cauda Equina
Neuritiden (Nervenreizungen, -entzündungen z.B. Ischialgie
Ocheochondrose = OCD (Knorpelablösungen in den Gelenken beim heranwachsenden Hund)
Gelenkfehlbildungen (Dysplasien wie Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellbogendysplasie (ED)

Was passiert bei einer Blutegelbehandlung?

Planen Sie bitte Zeit ein. Eine Blutegelbehandlung Ihres Haustieres dauert in der Regel zwischen 60 – 90 Minuten. Da der Egel nicht gewaltsam entfernt werden darf, kann es durchaus auch mal 2 Stunden oder mehr in Anspruch nehmen. Abhängig von der jeweiligen Indikation ist häufig eine einmalige Therapie mit Blutegeln ausreichend.

Beim therapeutischen Einsatz werden die Egel an die betroffenen Stellen oder auch an Akupunkturpunkte des Körpers angesetzt.

Zu Behandlungsbeginn wird der Blutegel an der vorgegebenen Hautstelle angesetzt, saugt sich fest und sägt sich mit seinen Kalkzähnchen vorsichtig in die Haut. Dieser Vorgang ist weitgehend schmerzfrei, da der Blutegel hierbei schmerzlindernde Stoffe abgibt. Auf der Haut des Hundes sucht der Blutegel mit dem Vorderende tastend nach der geeigneten Bissstelle. Der hintere Saugnapf wird als Halterung genutzt. Ist die geeignete Bissstelle nicht gefunden, wird der Saugnapf anschließend in eine neue Position gebracht. Sobald die optimale Stelle erreicht ist, fixiert der Egel den hinteren Saugnapf in der Nähe der Bissstelle.

Das Ansetzen von Blutegeln kann schnell gehen, es kann aber auch Geduld erfordern. Die benötigte Zeit ist in dem Fall also vom Blutegel abhängig.

Im weiteren Verlauf leitet der Blutegel die Wirkstoffe beim Saugen in das Gewebe ein und fällt anschließend von alleine ab. Die kleine Bisswunde wird durch den Wirkstoff Calin 4 bis 12 Stunden offen gehalten und blutet nach. Erfahrungsgemäß ist die Nachblutungszeit bei Tieren um einiges kürzer als beim Menschen. Die Nachblutung ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung und darf nicht gestoppt werden. Um Verunreinigungen zu vermeiden, wird ein leichter, lockerer Verband mit Kompressen oder Watte aufgelegt, dass das heraustretende Blut aufsaugt.

Der heilende Effekt kann nach unterschiedlichen Zeitabständen, oft sogar unmittelbar im Anschluss an die Behandlung, auftreten und hält häufig monatelang an.

Haustiere akzeptieren in der Regel den Blutegelbiss ohne Abwehrreaktion und tolerieren die Behandlung meist geduldig. Sie haben im Verlauf der Evolution die heilsame Wirkung des Blutegelbisses in ihrem Instinkt fest verankert. Viele Tiere dösen bei der Behandlung ruhig vor sich hin.

Für meine Behandlungen verwende ich ausschließlich medizinische Blutegel aus spezieller Blutegelzucht, welche ich vor der Behandlung beim Züchter käuflich erwerbe. Gemäss den gesetzlichen Bestimmungen wird jeder Blutegel nur einmal therapeutisch verwendet.